Familienmomente

Eltern sein, Paar bleiben

Eltern sein ist anstrengend. Wunderschön, keine Frage, aber ganz anders als das ungezwungene, spontane Leben ohne Kind. Wie zeitintensiv ein Baby oder Kleinkind wirklich ist, das versteht man erst, wenn man sich selbst in der Situation wiederfindet, in der keine Zeit für den Toilettengang, geschweige den eine Dusche ist. Das neue Familienmitglied fordert Verantwortung, Fürsorge und eine komplette Umstellung des bisherigen Lebens.

Neue Aufgabe, neue Pflichten und die perfekte Organisation des Alltags verschlingt die Zeit für Zweisamkeit. Sind am Abend tatsächlich alle Kinder im Bett fallen zwei ehemals leidenschaftlich Liebende einfach nur noch gerädert auf das Sofa, bereit die über den Tag gesammelten Vorwürfe loszuwerden. Doch bevor der Atem für einen langen Monolog gesammelt werden kann, rauscht es schon wieder im Babyphon.

Sex? Eine vage Erinnerung verrät dir, dass das mal ganz nett war.

Übermüdung und eine endlose Todoliste zwingen deine Libido aber mit Leichtigkeit in die Knie. Aufgestaute Energie und Ärger wird viel einfacher in einem unnötigen Streit abgebaut.

Hinzu kommt die vorherrschende Meinung, es sei leicht machbar Job, Haushalt, Partnerschaft, Kinder und eigene Bedürfnisse perfekt unter einem Hut zu bekommen. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Ich kenne keine Mutter (oder Vater), die das wirklich mit Leichtigkeit schafft. Um den gesellschaftliche Druck Stand zu halten und den Schein von „perfekten Eltern“ zu wahren, vergessen wir zu schnell das Wesentliche: Uns und unsere Bedürfnisse.

Durch eigene Unzufriedenheit (auf beiden Elternseiten) leidet auch schnell die Partnerschaft.

Halbe-Halbe fürs große Ganze

Vor allem Paare, die sich zuvor als gleichberechtigt erlebt haben, stehen als Eltern auf einmal vor einem veränderten Weltbild. Viele Elternpaare landen am Ende in dem klassichen Rollenmodell, in dem Mutti den Karriereknick hinnimmt, um bei den Kindern zu bleiben. Wenn du damit glücklich bist und dich der Druck von Außen nicht berührt – fein!

Für alle anderen braucht es in einer Eltern-Beziehung dringend klare Absprachen. Verteilt Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortklichkeiten eindeutig und gerecht. Wer checkt welche Lebensmittel nachgekauft werden müssen? Wer bringt die Kinder zu Arztterminen? Wer kümmert sich um alle Müllangelegenheiten (Das ist übrigens mehr als einen verschnürten, bereitgestellten Müllsack die Treppe herunter zu tragen).

Ja, das ist alles andere als romantisch aber es ist notwendig, damit am Ende des Tages bei beiden Parteien Energie und Zeit übrig bleiben.

Raus mit der Sprache

Du fühlst dich unwohl, unverstanden, ausgenutzt? Sprich es an. Kein Partner der Welt kann dir in den Kopf schauen. Halte nicht mit verkniffener Miene eine Fassade aufrecht, die dir nicht gefällt. Dein Partner kann nicht sehen, was du fühlst. Er sieht, dass „alles ganz gut funktioniert.“ In einer respektvollen Partnerschaft darfst du offen ansprechen, was dich berührt, erfreut oder belastet. Gleichermaßen darfst du  deinem Partner auch mit einem offenen Ohr für seine Gedanken und Gefühle gegenübertreten.  Aber – bitte – das klappt nur wenn du dein hübsches Maul auch aufmachst. 

Übrigens gehört es auf beiden Seiten auch dazu, sich für Missverständnisse zu entschuldigen oder einen Fehler einzugestehen.

Paar bleiben
Low Budget Romantik

Früher konnet ihr ganz spontan ausgehen, habt Freunde unabhängig von Mittagschlafzeiten besucht, habt gemeinsam mit vielen scharfen Gewürzen und Weißwein gekocht oder einfach mal die Musik im Haus so laut gedreht, dass die Beine automatisch tanzen wollten. Verrückt und wild hab ihr gemacht, was ihr wollt und das am liebsten gemeinsam.

Mit Kind(ern) ist eure Spontanität aber stark eingeschränkt. Eure Gemeinsamzeit ist jetzt an Zeiten und oft auch ans Haus gebunden. Es gibt Routinen und Regeln, Schlafzeiten und Wachzeiten und ständig zischt jemand wütend „psssssssst!“. Zwischen Bauchweh und Dauerstillen so etwas wie Romantik zu empfinden scheint vor dem Berg Spucktüchern, die vor der Waschmaschine liegen unmöglich.

Damit die Erinnerung daran nicht verblasst, sind kleine Gesten jetzt ganz wichtig. Macht euch Komplimente, bedankt euch für erledigte Hausarbeiten und schreibt kleine Briefe. Streicht dem Partner im Vorbeigehen einfach mal liebevoll über den Rücken oder haltet Händchen beim Spaziergang mit dem Kind. Bringt eurem Partner vom Einkauf seine Lieblingsnascherei mit oder gönnt euch eine besondere Zutat für ein Abendessen, dass ihr miteinander genießt, wenn die Kids im Bett sind.

Kuschelt, umarmt euch, habt Sex (jeder kennt doch dieses freche Gefühl von neu empfundener Verbundenheit nach einem Schäferstündchen.) Es braucht keine spontane Reise nach Paris, um die Liebe aufrecht zu erhalten.

Me time

Fast wichtiger als die Zeit mit deinem Partner ist Zeit, Raum und Ruhe für dich selbst zu finden. Sei gut zu dir selbst und überprüfen dein Verhältnis zu dir selbst. Wahrscheinlich stellst du schon jetzt fest, dass du ein verurteilendes Verhältnis zu dir pflegst. Immer wieder wirfst du dir selbst vor nicht genug zu sein. Nicht fit genug, nicht stark genug, nicht schnell genug, nicht reich genug, nicht schön genug. Eine negative Einstellung zu dir selbst strahlst du auf deinen Partner aus: „Ich liebe mich nicht! Bitte liebe mich auch nicht, denn ich bin es vielleicht gar nicht wert!“

Gönne dir jeden Tag einen Moment für dich. Warte nicht darauf, dass sich dir eines Tage die Zeitlücke öffnet, in der der Job erledigt ist, die Kinder untergebracht sind und der Haushalt geschafft ist, denn diese Zeitlücke gibt es nicht.

Deine Zeit musst du ganz egoistisch für dich beanspruchen. Nimm dir Zeit, dich selbst genau zu betrachten, akzeptiere dich und deine Ecken und Kanten und liebe DICH.

 

Mut

Seid mutig, schraubt eure Ansprüche herunter und erlaubt euch glücklich zu sein. Nicht jeder Moment im Alltag muss pädagogisch wertvoll sein. Nicht jeder Moment im Leben eurer Kinder braucht euren vollkommenen Beistand. Seid mutig und lasst die Kinder eigene Entscheidungen treffen. Helft bei den Konsequenzen, aber bewahrt sie nicht davor. Seid mutig auch vor euren Kindern unperfekt zu sein.

Habe Mut auszusprechen, dass du jetzt Zeit für dich allein brauchst. Auch Kinder dürfen erfahren, dass man alleine sein möchte und  darf und dass alleine sein auch etwas Schönes ist.

Traut euch eure Kinder auch mal in andere behütende Hände zu geben. Habt schöne Erlebnisse nur für euch als Paar, ohne sie mit dem Kind zu teilen. Ein glückliches Kind hat glückliche Eltern.

Seid vor allem auch mutig und umarmt euren Partner einfach mal zwischendurch ganz fest und sagt ihm, dass ihr ihn liebt und schätzt.



Könnt ihr noch etwas ergänzen?

Was macht ihr, um eure Partnerschaft trotz Kindern „heiß“ zu halten?


Lieblingsgrüße!

P.S.: Das Bild entstand auf unserer Reise durch Süd-Norwegen mit Dachzelt.

One Comment

  • Sandra

    Hallo Linda,

    oh ja ich fühle das alles. Vieles davon setzen wir auch (mal mehr mal weniger) um. Schön ist, dass die Kinder nun so alt sind, dass man mittlerweile auch ohne schlechtes Gewissen eine große Runde spazieren oder essen gehen kann.

    Liebste Grüße

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