Moment mal!

Einfach mal JA sagen

Nein sagen kann man überall lernen. Dazu gibt es Seminare, Vorträge und auch ich habe dazu vor Jahren mal einen Text geschrieben. Nein sagen wir, wenn etwas gefährlich ist, wenn uns etwas nicht gut tut oder uns Zeit raubt.  Auch Kinder lernen, dass es ein Nein gibt. Es existieren Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die beachtet werden müssen und es gibt Gefahren, vor die so manches Nein schützt.

Mindestens 90 % aller Kinderfragen werden von Erwachsenen mit einem Nein beantwortet. Doch was passiert, wenn wir einfach mal Ja sagen, anstatt auf unserem Nein zu beharren? „Dann lernen die es ja nie! Man muss aber doch konsequent sein!“ Haben wir Angst die Kontrolle über unsere Schutzbefohlenen zu verlieren, wenn wir die Zügel lockerlassen?

Werden aus unseren korrekten Leistungsträgern verrückte Pippi Langstrumpfkinder?

Beispiele unnötiger NEINs

Donnerstagmittag, stressige Woche bisher. Das Kind kommt aus der Schule, ich habe bereits ein schnelles gesundes Essen vom Herd auf den Tisch gezaubert. Es ist kühl, aber sonnig. Das Kind kommt rein, wirft Tasche und Jacke auf den Boden und ruft: Ich muss unbedingt noch mal aufs Trampolin, Mama, meine Beine wollen springen!

Ich sage Nein, denn es gilt: Erst die Sachen wegräumen, dann Mittagessen, dann Hausaufgaben und dann erst ist Spielzeit. Die Regeln sollen eingehalten werden. Ihr Bedürfnis nach Bewegung und ein paar Sonnenminuten nach einem langen Schultag nehme ich nicht wahr.

Sonntagvormittag, wir genießen einen ruhigen Start in den Tag. Das Kind möchte, dass ich sie zu einem Leoparden schminke. Ich sage nein, denn wir sind am Nachmittag zum Kaffee eingeladen. Ich denke an verschmierte Farben im Gesicht und Abdrücke auf fremden Polstern und für zwei Stunden lohnt sich das aufwendige Makeup echt nicht. Ihren Wunsch Zeit mit mir zu verbringen und mir nahe zu sein höre ich nicht.

Mir fallen beim Schreiben noch 100 Beispiele ein. Die Puppe, zu der ich nein gesagt habe. Der Nachtisch, der mir zeitlich nicht in den Kram passte. Die Schuhe, die nicht allein angezogen werden dürfen, weil ich im Stress war. Der Quatschtanz, der nicht beim Frühstück vorgeführt werden sollt. Die 25 Kuscheltiere, die abends nicht mit ins Wohnzimmer dürfen.

Ja sagen

Wann sollte man JA sagen?

Sind wir mal ehrlich, mit den meisten Wünschen und Fragen bringen sich Kinder nicht wirklich in Lebensgefahr. Es sind oft nur „nervige Kleinigkeiten“, die wir verneinen. Deshalb sollten wir uns vor dem ein oder anderen reflexartigen Kopfschütteln fragen: Ist es eine wichtige Grenze, die ich mit dem Nein abstecke? Richtet es Schaden an, wenn ich ein Ja zulasse? Ist das Nein gerade Schutz oder Ablehnung?

 

Was haben Kinder von einem JA

Kinder tragen Gedanken, Ängste und Bedürfnisse mit sich, wie wir Erwachsenen auch und natürlich haben sie ein Recht darauf, ernst genommen zu werden. Jedes Nein bedeutet Ablehnung. Sei es für eine Idee, ein Bedürfnis oder für eine vermeintliche Gefahr. Stellt euch vor, euer Partner lehnt sämtliche Vorschläge eurerseits kategorisch ab. Das fühlt sich nicht schön an. Das fühlt sich klein und unakzeptiert an.

Mit unserer Zustimmung zeigen wir den Kids “Ja, ich höre und verstehe dich.“. Das stärkt das Vertrauen und die Eltern-Kind-Beziehung.
Durch ein JA zu einer kindlichen Idee können Kinder lernen eigene Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben. Sie lernen Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. So ist zum Beispiel am Nachmittag weniger Freizeit, wenn vor den Hausaufgaben noch gespielt wurde.
Ein gelegentliches JA steigert auch die Akzeptanz für ein NEIN und kann uns ab und zu vor einem kleinen Machtkampf bewahren.

Was haben wir von einem JA?

Wenn wir genau hinhören, dann schützen wir unsere Kinder mit den Untersagungen meist nicht vor schlimmen Situationen. Sie wollen nicht blind und rückwärts über die Straße gehen, sondern etwas erleben und erfahren. Und das am liebsten mit uns. Wir lehnen aus Faulheit ab, oder weil wir meinen, irgendetwas wäre gerade viel wichtiger.

Ein gelegentliches Ja kann auch unsere eingefahrenen Strukturen aufbrechen und den Alltag verzaubern. Warum heute mal nicht mit den Kuscheltieren zusammen frühstücken oder vor der Bettzeit noch 5min über die Wiese im Park laufen um danach völlig erschöpft, aber glücklich zu sein.

Natürlich heißt das nicht, dass wir unseren Kindern alle Wünsche erfüllen sollen! Es geht nicht um eine Erziehung ohne Limit, bei der wir dreimal am Tag Nachtisch essen und bis Mitternacht wach bleiben. Es geht nicht darum, dass wir unsere Freizeit endlos den Kindern widmen. Auch wir haben Bedürfnisse und brauchen Momente, um Energie zu tanken. Trotz aller Liebe für die Lieben, sind es wir, die in unserem Leben zuerst kommen sollten. Nur wenn wir gesund und ausgeglichen sind, können wir mit ganzer Energie für unsere Kinder da sein. Aber vielleicht vertrauen wir einfach darauf, dass unsere Kinder keine Regeln und Gesetze brechen, sondern einfach eine schöne Zeit haben wollen.

Was war euer letztes unnötiges „nein“ gegenüber euren Kindern?



Lieblingsgrüße!

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