Moment mal!

Macht Minimalismus wirklich glücklich?

Minimalismus ist schon seit Jahren ein Trend, der Achtsamkeit und Glück im eigenen Leben verspricht. Auf youtube, in Blogs und auf Socialmedia mistet die Menschheit aus und strahlt in die Kamera. „Ich habe nur diese drei weißen Shirts, diese eine blaue Hose, einen Löffel und einen tiefen Teller. Dadurch schaue ich absolut gelassen auf das Hier und Jetzt und in die Zukunft“

Müssen wir all unser Hab und Gut wegwerfen, um glücklich zu sein?

Jeder Mensch besitzt zehntausend Dinge

Wir sammeln unendlich viele Gegenstände im Laufe unseres Lebens. Manche sind mit schönen oder traurigen Erinnerungen verbunden, andere waren einmal Geschenke oder hatten einen sehr hohen Anschaffungspreis. Einige könnten wir möglicherweise irgendwann gebrauchen. Wieder andere sind einfach da, deren Existenz haben wir längst vergessen. Gleichzeitig weckt die Industrie immer wieder neue Bedürfnisse und fordert uns dazu heraus immer mehr zu besitzen und zu konsumieren. Im Supermarkt reihen sich zwei Regale Cornflakes an drei Regalen Hamsterfutter. Auswahl macht glücklich. Sie lässt dich individuell beachtet fühlen.

 

Dein Besitz formt deine Identität. Wir klammern uns an unseren Besitz, denn ohne ihn wissen wir nicht mehr wer wir sind. Und auch unsere Nachbarn wissen nicht, wer wir sind, wenn wir es ihnen nicht durch eine besonders große Dekovase im Eingang oder die neueste Smartwatch am Arm zeigen können. Mit unserer eigenen schlichten Persönlichkeit können wir schon lange niemanden mehr beeindrucken. Das haben wir unter der Schicht angesagter Klamotten, Accessoires und Autos verlernt.

Müssen wir all unser Hab und Gut wegwerfen, um glücklich zu sein?

Der Besitz von Dingen macht nicht glücklich!

Shopping aktiviert das Belohnungssystem, das stimmt. Doch dieser Effekt hält nur kurz an. Vielleicht reicht er bis der neue Besitz zu Hause auspackt und platziert wird. Dieses neue Ding hat nichts mit deinem Glück zu tun. Vielleicht erinnert es dich aber an die Shoppingtour mit einem lieben Menschen und vielen lustigen Gesprächen, bei der du es erbeutet hast. Denn schöne Erinnerungen machen glücklicher als Dinge!

 

Lass die Erinnerungen etwas kosten, wenn der Aspekt des Geldausgebens für dich wichtig ist. Der Abend in der Cocktailbar mit der besten Freundin macht dich länger und nachhaltiger glücklich, als eine neue Jeans. Der Familienausflug in den Tierpark mit einem Rucksack voller Snacks hinterlässt ein so viel schöneres Erinnerungsgefühl, als dir die Blureay-Complete-Seasons von der Familien-Lieblingsserie jemals geben könnte.

Minimalismus

Jedes Ding, dass du besitzt, besitzt auch dich

Ein bekanntes Filmzitat, welches meiner Meinung nach viel Wahrheit enthält.

Alle deine Dinge brauchen deine Aufmerksamkeit. Sie wollen gepflegt, gewartet, geputzt, aufgeräumt, benutzt, gesucht und gefunden werden. Sie können dich belasten, wenn du Ordnung halten willst oder dich in deinem Zuhause bewegen willst. Oft hast du mehr Arbeit mit den Dingen, als dass sie dir Nutzen bieten. Sie brauchen Platz in deinem Wohnraum und nehmen Platz in deinem Kopf ein.

 

Dinge rauben dir Zeit und Energie. „Die Mehrheit der Deutschen wendet täglich bis zu zwei Stunden für Hausarbeit auf.“ Wäre es nicht schön weniger Putzen und Aufräumen zu müssen?

 

Dein Besitz kann dir auch Sorgen bereiten. Denn wer viele Dinge besitzt (und sich selbst über diese Dinge definiert) der hat Angst, diese Dinge zu verlieren. Ob sie nun kaputt gehen, du sie verlierst oder sie gestohlen werden. Irgendwas kann immer passieren, und dann musst du Geld und Energie für Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen aufbringen.

 

Manchmal können sie dich sogar unglücklich machen. Denk mal an das Kleidungsstück, dass du behältst, obwohl es dir zu eng ist und dass dir immer wieder sagt: „Hey, du hast immer noch nicht abgenommen!“  Oder das teure Mal-Set mit den hochwertigen Stiften, das du behältst, weil du irgendwann mal Zeichnen lernen wolltest und dass dir immer wieder sagt: „Hey, du wolltest mich doch irgendwann mal benutzen!“

Minimalismus macht zufriedener

Du merkst schon, dass weniger Besitz viele Vorteile mit sich bringen kann.

Durch einen minimalistischen Lebensstil gewinnst du nicht nur Platz in deinen Wohnräumen, sondern auch in deinem Kopf und deinem Terminkalender. Es ist leichter organisiert zu bleiben und Struktur und Ordnung zu wahren. Mit Besitz verbundene Verpflichtungen und Entscheidungen verschwinden und du brauchst weniger Zeit für deinen Haushalt. Das macht dich ruhiger, gelassener und gibt dir Möglichkeiten dir Zeit für dich zu nehmen.

 

Du befreist dich außerdem von Belastungen und Forderungen an dich selbst. An dieses überflüssige mentale (und physische) Gepäck hast du dich gewöhnt hast. Wie scher es wirklich ist, merkst du, wenn du es endlich ablegst. Du fühlst dich leicht und befreit und kannst bewusst im Jetzt leben.

 

Minimalismus macht nicht per se glücklich. Doch es macht dir bewusst, dass du dein Glück oft an der falschen Stelle suchst. Es liegt nicht im vollen Schuhregal, in einem sechsten Bettwäsche-Set oder in einer abnormen Auswahl an Haarpflegeprodukten. Es liegt irgendwo darunter. Auf der leergeräumten, blanken Ablage, auf der sich dein Gesicht spiegelt.

Und jetzt? Alles weg?

Um die positive Wirkung von Minimalismus zu spüren musst du nicht all deine Herzensdinge und Besitztümer auf ein asketisches Maß reduzieren. Doch es macht Sinn einfach mal Schubladen und Schränke zu öffnen und ein paar deiner Gegenstände zu fragen: „Was bringst du mir? Benutze ich dich? Machst du mich glücklich?“

Bist du eher ein minimalistischer Typ? Kannst du gut Dinge aussortieren? 


Lieblingsgrüße!

3 Comments

  • Lars Möhlmann

    Hi Linda,
    der Beitrag regt mal wieder zum Aufräumen an.
    Hier fliegen auch Dinge rum, die kein Mensch mehr braucht.
    Ich habe immer das Problem, daß ich zwar sagen kann: “ hey du Teil, ich brauche dich nicht“ aber oft fehlt mir aber genau in dem Moment die Musterlösung für den Umgang damit. Einfach wegwerfen obwohl es vielleicht noch funktioniert und irgendwer anders es gebrauchen könnte mag ich dann nicht tun.
    Also lasse ich es liegen.. bemühe mich aber auch nicht jemanden zu suchen dem der Gegenstand vllt noch Freude machen würde
    Uns so liegt der Klamauk dann weiter hier. Bis ich wieder mal denke „hey du Teil…“
    Komischer Teufelskreis 🤷

  • Karuna Deters

    Hallo Linda, mal wieder ein ganz gelungender Beitrag von dir, der zum Nach-bzw. Überdenken anregt. Ich bin leider nicht oft genug in dem Bewusstsein, dass materielle Dinge nicht das Glück ausmachen.

    • Linda M

      Danke für den Kommentar, liebe Karuna <3
      Ja, ich weiß was du meinst. Ich kenne das Gefühl auch, dass man durch den Laden geht oder alternativ durch den Onlineshop und sieht da diesen einen Gegenstand bei dem man denkt: "Ach, wenn ich den zu Hause hätte, da wäre ich so glücklich!" Dann steht er da und ja, ich freu mich darüber. Einmal, vielleicht zweimal. Vielleicht sogar zwei Tage lang. Und dann ist es vergessen.

      Den Kaufimpuls zu unterdrücken ist nicht immer leicht. Aber es geht :-*
      Und wenn man dann doch mal - nach ein paar Drüber-Nachdenk-Nächten - zuschlägt, hält der Effekt auch länger an. <3

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