Moment mal!

Warum ich kein Fleisch mehr esse

Meine Großeltern hatten einen Hof. Mit Pferden, Katzen, Hunden, Schweinen und mit unzähligen Hühnern. In die riesigen Hühnerställe mit tausenden von braungefiederten Vögeln durfte ich meine Oma oft begleiten, um Eier für das Frühstück und den Verkauf zu sammeln. Aber ich sah auch verstorbene Tiere, zerzaust, totgepickt von den Mithühnern. „Das passiert schon mal“, sagte meine Oma. Ich sah auch wie meine Oma Hühner griff und rupfte und fand das gleiche Tier anschließend mit knuspriger Haut auf dem Mittagstisch wieder. „So läuft das eben auf einem Bauernhof“, sagte meine Oma.

Ich muss euch ein Geständnis machen: Tierwohl war nie ausschlaggebender Grund für meinen Fleischverzicht

Zwar habe ich auch bekannte, schockierende Filme über die Tierindustrie gesehen und meinen Fleischkonsum danach umgehend eingestellt. Die Wirkung hielt jedoch nur einige Monate, bis ich wieder zu alten Gewohnheiten überging. Ich liebe Tiere auf eine Art und Weise, wie es die meisten Menschen tun. Ich freue mich wenn ich ein Eichhörnchen entdecke oder Katzenbabys streicheln darf. Ich finde Pferde beeindruckend majestätisch und Kühe auf eine gewisse Art und Weise hübsch. Meine Tierliebe konnte mich aber nie final vom Fleischgenuss abbringen. Ich war ein richtiger „Fleischfresser“.

Mein Mindset hat sich gewandelt, als ich anfing mich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen und meinen Lifestyle änderte, um Müll und Konsum zu vermeiden. Am 30.4.2017 habe ich mich entschieden.

Fleischfreie Ernährung

 

Fleischfreie Ernährung schützt das Klima.

Ein großer Teil der weltweiten Treibhausgase lassen sich auf die Tierzucht für „menschliche Ernährung“ zurückführen. Jeder weiß, dass Kühe pupsen. Trotzdem erregt dieser Gedanke in uns nicht mehr als ein infantiles Kichern. Über fleischfreie oder sogar pflanzliche Ernährung nachzudenken lohnt sich aber definitiv, wenn man dem Klimawandel Einhalt gebieten möchte. Eine rein pflanzliche Ernährung spart bis zu 2 Tonnen Treibhausgase im Jahr – pro Person! Umgerechnet sind das acht Flüge von London nach Berlin! Vielleicht kann man die nächste Urlaubsreise so ja mal ausgleichen.

Fleischfreie Ernährung schützt die Natur.

Tierzucht braucht Platz und Ressourcen, denn die Tiere, die wir essen werden nicht stückweise in Plastikfolie geboren. Es reicht auch keine idyllische grüne Wiese auf der sie grasen bis sie dick genug sind. Schlachtvieh muss schnell wachsen und braucht günstige und reichhaltige Nahrung. Sojaanbau hat sich hier als sehr lukrativ herausgestellt.

Doch um ausreichend Soja für Tiernahrung anzubauen, werden naturgeschaffene Wäldern und Grünflächen gerodet und durch Monokulturen und Infrastruktur ersetzt. Derzeit wird ein Drittel der gesamten Erdoberfläche für die Tierindustrie genutzt. Diese Monokultur macht auf lange Sicht die Ackerböden unfruchtbar und sorgt für anhaltendes Artensterben. Durch die Abholzung schwindet der Lebensraum vieler Tiere. Logischerweise führen weniger bebaumte Grünflächen auch wieder zu erhöhten CO2 Werten.

Der weltweite Sojaanbau wird übrigens – anders als viele Fleischesser gerne glauben möchten – nur zu einem winzigen Teil für vegane Ersatzprodukte verwendet. Der Großteil des angebauten Sojas dient als Tierfutter.

Fleischfreie Ernährung stillt den Welthunger.

Es ist unfassbar! Mit den global vorhanden Möglichkeiten KÖNNTEN wir die ganze Weltbevölkerung von Hunger befreien. Unsere westliche Lust auf portioniertes, günstiges Fleisch sorgt jedoch dafür das potentielle Anbauflächen gar nicht erst für die Ernährung von Menschen zur Verfügung stehen. Rund 75 Prozent des weltweit angebauten Weizen, Soja und Getreide wird zu Tiernahrung, anstatt von den Menschen, die es dringend bräuchten verzehrt zu werden. Denn das wäre natürlich weitaus weniger gewinnversprechend. Mit einer Entscheidung für pflanzliche Kalorien, bräuchte niemand zu hungern.

Übrigens sind die kalorienhaltigsten Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Brot, Kartoffeln und Hülsenfrüchte vegan. Es braucht kein Steak, um satt zu werden. Durch den Umweg über das Tier bekommen wir weniger Kalorien in „Fleischform“ zurück, als die Pflanzen uns gäben, die an die Tiere verfüttert werden.

Fleischfreie Ernährung vermindert Tierleid.

Es ist Fakt. Um unsere Lust auf Fleisch zu tilgen, werden Tiere gefangen gehalten. Sie können sich nicht natürlich fortpflanzen, können sich oft nicht bewegen, werden gemästet, habe keine Selbstbestimmung und werden nach ein viel kürzeren Lebensdauer, als ihnen eigentlich zusteht geschlachtet. Alles andere können Landwirte wirtschaftlich nicht umsetzen und wir wollen wirklich „glückliches, an Alter gestorbenes“ Fleisch weder essen noch bezahlen.

Fleischfreie Ernährung ist gut für die Gesundheit.

Das Protein aus pflanzlichen Quellen ist in der Regel weniger kalorienreich und frei von gesättigten Fettsäuren. Es enthält aber gleichzeitig mehr Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Das steigert unsere Leistungsfähigkeit und Darmgesundheit und wirkt positiv auf Verdauung und Immunsystem.

Ich erinnere mich an die ersten großen Familienfeste, die ich „ohne Fleisch“ gefeiert habe. Diese Gefühl von überwältigender Müdigkeit und Völle, dass ich sonst gewohnt war, blieb an diesen Tagen für mich aus. Während alle am Tisch sich mit schmerzverzehrtem Blick die Bäuche rieben, ging es mir einfach super. Auch am nächsten Tag lag mir das Essen nicht mehr „schwer im Magen“. Ich war fit, wach und sogar motiviert um Sport zu treiben.

Fleisch muss man übrigens in keiner Weise mit Proteinshakes oder Nahrungsergänzungsmitteln substituieren. Pflanzliche Nahrung ist randvoll mit den guten Stoffen! Pflanzliche Proteine lassen sich vom Körper zudem auch besser verwerten.

Fleischfreie Ernährung hätte Corona verhindern können.

Okay, damit könnte ich jetzt meinen ersten Shitstorm generieren.
SARS, Schweinegrippe, Ebola und Covid-19 haben eine Gemeinsamkeit: Die Erreger haben sich von Tieren auf den Menschen übertragen. Ein Großteil der für den Menschen gefährlichen Krankheitserreger entsteht durch industrielle Nutztierhaltung.  Durch eine fleischfreie Ernährung können wir das Risiko von Pandemien vermindern.

Ich esse jetzt seit 5 Jahren kein Fleisch und fühle mich damit richtig gut. Es ist für mich überhaupt kein Verzicht, sondern eine Einstellung. Zwischen vielen schwarzen Schafen in der Fleischindustrie gibt es sicher auch ein paar sehr nachhaltige Höfe. Ich mache da für mich keinen Unterschied mehr. Ich kann und möchte gar nicht mehr in tote Tiere beißen. (sorrynotsorry).

 

Wie verhält sich dein Fleischkonsum? Könnte einer „meiner“ Gründe auch für dich relevant sein? Ich bin gespannt, was du zu erzählen hast.

 

Lieblingsgrüße!

 

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