Moment mal!

Was ist Frugalismus?

Nachhaltigkeit, Minimalismus und jetzt noch Fruga…what?

Vielleicht hast du den Begriff Frugalismus in meinem Blog schon einige Male gelesen und fragst dich: Was ist denn das schon wieder? Ich bringe heute ein bisschen Licht ins Dunkle und erkläre dir mein Verständnis von Frugalismus.

Was ist Frugalismus?

Frugalismus ist eine Lebensweise, die einen großes Augenmerk auf Sparsamkeit legt. Wer frugal lebt, lebt bescheiden und legt sein Gehalt lieber auf die hohe Kante (oder investiert es sinnvoll) anstatt es für Trends, Statussymbole, Gimmicks und Schnickschnack auszugeben. Frugalist:innen sind genügsam. Es fällt ihnen nicht schwer auf bestimmte Dinge zu verzichten und ihre Ausgaben auf ein Minimum zu reduzieren. Sie konsumieren achtsam, um die eigene Sparrate stets hochzuhalten. Viele Frugalist:innen sparen für ein hohes Ziel: Eine spätere finanzielle Sicherheit oder sogar Unabhängigkeit. Generell ist diese erreicht, wenn die monatlichen Ausgaben vollständig mit dem angesparten Vermögen abgedeckt werden können.

Wie geht Frugalismus?

Wer frugal lebt, sieht Sparen nicht als Verzicht, sondern als grundsätzliche Lebenseinstellung. Frugalist:innen legen gerne konsumintensive Gewohnheiten ab, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Dabei hilft eine langfristige Sicht auch auf kleine regelmäßige Ausgaben. Denn bereits der Coffee-to-go am Morgen oder ein App-Abo für wenige Euro kann dich langfristig um ein kleines Vermögen bringen. Als Motivation kennen Frugalisten hier zum Beispiel die sogenannte 173 – Regel:

Multipliziere deine regelmäßigen monatlichen Ausgaben mit der Zahl 173.

Das Ergebnis zeigt, wie viel Geld du nach 10 Jahren hättest, wenn du die Summe stattdessen mit einer angenommenen Rendite von 7% (zum Beispiel mit einem ETF Sparplan) angelegt hättest.

 Läppische 20€ im Monat für Coffee-to-go würden damit zu knapp 3500€.

Dafür musst du nichts tun musst, außer diese 20€ pro Monat zu sparen, statt zu trinken.

Es gibt im Reich der Frugalist:innen viele weitere interessante Merksätze, die den Blick auf unüberlegte Ausgaben ändern können. Die 300€ Regel ist sehr spannend, die solltest du dir bei Interesse auch mal reinziehen.

Frugalismus extrem – für eine Rente mit 30?

Der Begriff Frugalismus ist durch einschlägige YouTube-Videos leider auch sehr überreizt. Oft wird er im Zusammenhang mit einem asketischen Leben für eine „Rente mit 30“ genannt. Frugalist:innen verzichten dafür übereifrig auf alles, um private Ausgaben auf ein Minimum zu reduzieren. Sie leben enthaltsam und von Mitmenschen unverstanden, um ein Vermögen aufzubauen. Sie geben sich fast auf für „finanzielle Unabhängigkeit“ in der Zukunft:

Eine kleine viel zu enge Wohnung in günstiger Wohngegend. Ohne Deko, dafür mit egoistischer Einrichtung aus Sperrmüll für exakt eine Person. Ein einsames Leitungswasser im Park, anstatt einem Essen in feuchtfröhlicher Gesellschaft. Auszeit mit Drahtesel, Zelt und Konserven, anstatt einfach mal Auspannen mit Allinklusive am Mittelmeer. Und statt Feierabend wird weitergearbeitet. Das Geld muss schließlich jetzt in großer Menge reinkommen, damit man sich später in einem bescheidenen Umfeld zur Ruhe setzen kann.

Leben auf Sparflamme im wahrsten Sinne des Wortes.

Das klingt nicht erstrebenswert für dich? Zum Glück ist Frugalismus nicht nur „Sparen und Arbeiten“. In deiner persönlichen Dosierung kann dir diese Lebenseinstellung viel mehr geben.

Ein erstrebenswerter Lebensstil

Wenig Geld ausgeben und trotzdem ein glückliches Leben zu führen, widerspricht sich für die meisten Frugalist:innen nämlich nicht. Es geht nicht nur darum, Rücklagen zu bilden. Frugalistisch leben bedeutet auch Erfüllung, die nicht durch Konsum entsteht, sondern durch gute soziale Beziehungen, eine erfüllende Tätigkeit, Lachen, Gesundheit, Sport, lebenslanges Lernen. Alles Dinge, die nicht viel Geld kosten müssen.

Ein weiterer sehr positiver Nebeneffekt ist, dass die frugalistische Einstellung tatsächlich bescheidener macht. Wer die frugale Lebensart verfolgt, fragt sich, was ihn wirklich glücklich macht und im Leben voranbringt. Ich brauche zum Beispiel schon lange kein neues Outfit mehr, um glücklich zu sein.

Unser Ziel ist nicht die Rente mit 30 (den Zeitpunkt haben wir ohnehin verpasst). Aber eine finanzielle Unabhängigkeit, die es uns ermöglich mit 45 oder 50 Jahren einen Job auszuführen, den wir aus persönlichen Interessen wählen und nicht wegen dem Geldeingang, ist für uns sehr erstrebenswert. Ein entspannterer Job, eine Reduzierung der Arbeitszeit und mehr Zeit sich auf das zu konzentrieren, was zufrieden macht. Und das mach uns schon jetzt innerlich frei.

Finanzielle Sicherheit oder Finanzielle Freiheit?

Finanzielle Sicherheit oder Finanzielle Freiheitsind zwei verschiedene Paar Schuhe. Mit einer finanziellen Sicherheit kann ich mir zum Beispiel erlauben, einen Job meiner Wahl anzunehmen.

Für die Finanzielle Freiheit wird ein wesentlich höherer Input benötigt. Hier ist es tatsächlich erklärtest Ziel, irgendwann „in Rente zu gehen“ und von den Dividenden und Ersparnissen zu leben. Aber auch dann geht es nicht ums Nichtstun, sondern darum die Freiheit zu haben, wählen zu können. Ob das ein Hobby, Ehrenamt oder die Selbstständigkeit ist – finanzielle Unabhängigkeit macht es möglich, die Dinge zu tun, auf die man Lust hat und die einen erfüllen.

Frugalismus und Minimalismus – wo ist der Unterschied?

Einige Frugalisten sind Minimalisten, aber nicht jeder Minimalist ist Frugalist. Beide Lebensstile können Hand in Hand geben, doch es gibt Unterschiede.

Minimalisten verzichten auf Konsum und reduzieren ihren Besitz, um sich mental frei und unbelastet zu fühlen. Sie entfernen aus dem Leben, was belastet. Das kann am Kleiderschrank anfangen und in der Kontaktliste im Handy aufhören. Stattdessen zählt für sie Qualität statt Quantität und sie geben gern Geld für ein sehr hochwertiges Möbelstück oder eine qualitative Winterjacke aus.
Der Frugalist verzichtet ebenso gerne auf Konsum und unnötiges Hab und Gut, aber ebenso auf Statussymbole. Es würde ihm wohl nicht einfallen, die teure Winterjacke neu zu kaufen, wenn es eine ebenso gute gebrauchte Alternative gibt. Die Sparquote muss hochgehalten werden, dafür wird ein hohes Einkommen angestrebt und der Lebensstandard auf ein haltbares Minimum reduziert.

Gemeinsam haben beide ein hohes Maß an Zufriedenheit und Achtsamkeit, dass aus einem vereinfachten Lebensstil generiert wird. Die Grenzen sollte man dennoch nicht zu starr sehen. Es ist erlaubt, sich in einem Zwischenraum zwischen Minimalismus und Frugalismus aufzuhalten

Du erkennst, ich bin durchaus ein Frugalismus-Fan. Und ich bin der Meinung, dass auch jemand, der nicht alles auf „finanzielle Freiheit“ setzen möchte, sich die ein oder andere Idee aus diesem Lebensstil ziehen kann.

 

Und jetzt verrate mir doch: Lebst du auch (in deiner eigenen persönlichen Dosierung) frugalistisch?

 

 

Lieblingsgrüße!

Linda

2 Comments

  • Eva

    Wow Linda, davon habe ich vorher noch nichts gehört. Also der Begriff ist mir bisher fremd gewesen, die Philosophie sauber klingt für mich sehr erstrebenswert. Ich rutsche leider immer wieder in einen Konsumrausch und finde es auch schwer mit 3Kindern zu sparen.
    Dein Beitrag war gleichzeitig ein guter Anstoß 😘
    Liebste Grüße
    Eva

  • Olga

    Wieder ein sehr schöner Beitrag! Letztes mal wurde ich durch dich zum absoluten ausmisten angeregt. Es hat sich soviel angestaut. Ganz besonders, Deko! Ja ich gebe es zu. Ich liebe deko. Nicht zuviel, aber die Veränderung macht mir Spaß. CD und DVD sind sofort entsorgt worden. Davon habe ich tatsächlich noch nie was gehört, aber es ist eine tolle Idee und wird heute Abend mit meinem Mann besprochen, wie wir das umsetzten können. Ich gebe gerne mal ein Update:))

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